Zwei echte Überraschungen: Team Schmidbauer bei den 73. deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund
Für unseren Stabhochspringer Marec Metzger läuft es in diesem Hallen-Winter bislang ausgezeichnet, denn in den letzten Wochen schaffte er im Stabhochsprung nicht nur einen neuen bayerischen U23-Junioren-Rekord mit 5,45 Meter, sondern wurde auch süddeutscher und bayerischer Meister. Noch in den letzten eineinhalb Jahren sah dies alles ganz anders aus, denn nach seiner starken Saison 2024 mit 5,35 Meter poppte eine alte Verletzungsthematik wieder auf: Sein linkes Schultergelenk hatte sich im Herbst bei der Vorbereitung auf die Saison 2025 oft ausgekugelt und passierte massiv beim Basketball spielen. Dies hemmte Metzger an seiner sportlichen Entwicklung, deshalb ließ er sich an der Schulter und damit seinen Schaden aus seiner Jugend operieren. Mit „gesunden“ Schultern absolvierte er später von November 2024 bis März 2025 vor allem nur ein gewisses Reha-Training und damit keine echte Vorbereitung auf die letzte Sommer-Saison. Deshalb sprang er im abgelaufenen Jahr „nur“ 5,12 Meter. Gestärkt von seinen diesjährigen stabilen 5-Meter-Leistungen reiste er mit seinem Trainer Matthias Schimmelpfennig nun hochmotiviert zu den Titelkämpfen in die Dortmunder Helmut-Körnig-Halle.
In der ausverkauften Halle war die Stimmung riesig – und dies motivierte den 21-Jährigen enorm.„Ich wollte einfach zeigen, was ich wirklich kann und mein gutes Potential ausschöpfen“, prognostizierte der Gräfelfinger. Am Ende steigerte Marec Metzger seinen persönlichen Rekord um ganze 5 Zentimeter, überquerte klangvolle 5,50 Meter und wurde völlig unerwartet neuer deutscher Vize-Meister mit der erneuten Steigerung des Bayern-Rekords für die Junioren. „Mir war dann fast klar, dass ich mit dieser Leistung nach einer Medaille greifen kann, auch wenn das von DM zu DM oftmals unterschiedlich ist, denn deutsche Meisterschaften schreiben eigene Gesetze“, weiß der Einzelhandels-Teilzeit-Abgestellte, der sich als Video-Produzent selbständig machen will.
Trainer Matthias Schimmelpfennig verriet: „Seine Steigerung war nun relativ einfach im Zuge seiner guten Perspektive über die Jahre hinweg“. In diesem Winter wurden bei Marec Metzger neue Strukturen aufgebaut. Maßgeblich beteiligt war hier der einstige Chef-Bundestrainer Herbert Czingon, den Matthias Schimmelpfennig als seinen Mentor enorm hoch schätzt. Die Ideen von Czingon hatten viel Einfluss auf die weitere Entwicklung und Förderung von Metzger im Bezug auf die fixierte Belastungssteuerung und sensibilisierte Trainingswirkungsanlalysen. „Marec ist seit er bei uns ist, auch reifer geworden“, erzählte Schimmelpfennig und sprach die mittlerweile bessere Ernährung seines Athleten an, wo zugleich auch analysiert wurde wie seine Körperstruktur aufgebaut ist im Bezug auf Muskelmasse und Körpergewebe. Das positive Vorankommen lag auch an der verbesserten Technik: „Früher war Marecs Einstich mit dem Stab nie stabil und nun ist er auf dem richtigen Weg, ebenso wie das Arbeiten am Stab, zumal er ein besserer Turner geworden ist“, weiß sein Coach. Natürlich mache die Mischung aus dem „Herauskommen“ von Verletzungen, dem zusätzlichen Coaching durch Herbert Czingon und der Reife im Kopf Marec Metzger nun immer mehr zu einem echten Sportler, doch „er ist noch nicht ganz ein echter Athlet“, sagte Schimmelpfennig. Metzger habe nun erkannt, was besser werden muss im Bezug auf die Tagesstruktur und dies sollte ein Leistungssportler eben alles optimieren. Matthias Schimmelpfennig zeigte sich übrigens nicht überrascht, dass „sein“ Athlet nun so hoch sprang und erfolgreich war: „Ich bin nun einfach froh, dass sich meine Arbeit jetzt so als Ergebnis zeigt“, denn fünf Mal pro Woche gestaltete er Trainings für Metzger sehr individuell, dies nur zu zweit und zugleich „hatten wir in der Halle einen guten Wettkampfplan, wo das Glück nie gefehlt hat“.
In einer riesigen Form präsentierte sich auch die 28-jährige Irina Gorr auf der 400 Meter-Strecke der Frauen, die gerade frisch aus einem intensiven Trainingslager in Südafrika mit dem Bundeskader kam. Nach diesem Camp erzählte sie, dass „ich eine deutlich verbesserte Belastungsverträglichkeit und eine starke Basis für schnelle 400 Meter mitbringe“. Noch im Vorjahr belegte sie den bitteren achten Platz und verpasste das Finale nur um eine Haaresbreite. Am Wochenende sah dies nun ganz anders aus, denn bereits im Vorlauf egalisierte sie als sechstbeste Athletin ihre vor drei Wochen in Südafrika erzielte Hallen-Bestzeit mit 53,51 Sekunden und löste das Ticket für das Finale. Am Sonntag präsentierte sich Gorr dann noch besser, schneller und es wurde im möglichen Kampf um eine Medaille denkbar knapp. Mit ihrem neuen Rekord von 53,11 Sekunden wurde Irina Gorr schließlich undankbare Vierte und schrammte nur um hauchdünne 2 Hundertstelsekunden an Bronze vorbei. Dies entspricht einem Rückstand von 20 Zentimeter auf die Dritte.