Doppelter Neustart auf höchstem Niveau – Felix Wolter und seine Verbindung zu Schmidbauer

Es ist nicht gerade um die Ecke. Rund 650 Kilometer liegen zwischen Gräfelfing und Hannover. 

Für unseren Top-Athlet Felix Wolter des Team Schmidbauer (10-Kampf) begann im vergangenen Herbst ein neues Kapitel:
Um seinen Spitzensport mit beruflichem Einstieg synchronisieren zu können, zog er in die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover und schafft es, Schmidbauer sportlich, und von nun an auch beruflich als Partner zu nutzen.
Wir freuen uns, ihn nun zweifach im Team zu haben! 

Ein Rückblick auf seinen Werdegang und Ausblick nach vorn auf die weitere Laufbahn und Ziele unseres Top-10-Kämpfers:

Nach Jahren zwischen College-Sport in den USA, internationalen Wettkämpfen, Verletzungspausen und anspruchsvollen akademischen Ambitionen richtet der 28-jährige Zehnkämpfer vom TSV Gräfelfing seinen Fokus noch einmal grundlegend neu: volle Konzentration auf den Hochleistungssport, eingebettet in ein Umfeld, das diesen Weg mitträgt – sportlich wie auch beruflich – dank Schmidbauer in doppelter Hinsicht.

Aktuell rangiert Felix auf Platz 32 der Zehnkampf-Weltrangliste. Und es wäre vermutlich noch einiges mehr drin gewesen. Seine Bestleistung von 8.299 Punkten erzielte Felix beim Thorpe Cup 2023 in Marburg. Kein Zufallsergebnis, sondern vielmehr ein weiterer Meilenstein auf seinem bis dahin kontinuierlich vorwärts gerichteten Weg in die Weltspitze. Ein Beispiel für die Ausrufungszeichen, die er in der Königsdisziplin der Leichtathletik setzen konnte, waren 8,01 Meter als persönliche Bestmarke im Weitsprung. Nicht nur für seine Trainer und Wegbegleiter, auch für die Kollegen aus der Nationalmannschaft war klar: Hier reift ein Athlet auf Weltklasse-Niveau. Ein ausgesprochen sympathischer Sportsmann obendrein.

Sportlicher Erfolg auf Weltniveau verläuft allerdings selten linear. Erst recht nicht im Mehrkampf mit seinen hochkomplexen physischen Anforderungen und den damit einhergehenden Verletzungs- und Überlastungsrisiken. Seit seinem Wechsel zum TSV Gräfelfing im Jahr 2013 hat Wolter nahezu alle Entwicklungs- und Aufbaustufen des Mehrkampfs durchlaufen. Mit Günter Mayer als seinem Heimtrainer konnte er sukzessive die Belastungen steigern und an der Technik feilen. Die Szene begann aufzuhorchen und genau hinzuschauen, was da in Gräfelfing, vor den Toren Münchens, heranreift. 

2019 folgte der Eintritt ins Top Team des Team Schmidbauer im TSV Gräfelfing, erste Starts in Ratingen und Götzis,  der endgültige internationale Durchbruch mit persönlicher Bestleistung beim Thorpe Cup in Marburg, 2024 EM-Teilnahme in Rom (Platz 13), bei Gold Meetings ein 2. Platz in Ratingen und Platz 1 im polnischen Bydgosz. 

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hatte, dass Felix 2020 den Schritt nach Pittsburgh in die USA machte, wo er am College erstklassige Trainingsbedingungen auf Profiniveau vorfand, seinen Master in Informatik abschließen und ein Promotionsstudium beginnen konnte. „Das Studium in den USA war für mich eine herausragende Möglichkeit, Leistungssport – selbst unter Corona-Beschränkungen – auf höchstem professionellem Niveau zu betreiben und gleichzeitig meine Ausbildung für die Zeit nach dem Sport voranzubringen“, sagt Wolter rückblickend.

Doch der Preis für das gezielte Verschieben der eigenen Leistungsgrenzen nach oben war hoch. Wiederholte Verletzungen – ein Riss des ulnaren Seitenbandes im Ellenbogen, später Probleme im Schambein- und Hüftbereich – warfen ihn mehrfach zurück. Wartestellung und Geduld statt Angriff und Vorkämpfen in neue Dimensionen. 2025 zwangen ihn eine hartnäckige Ischiasreizung und eine fällige Hüftoperation schließlich zu einer erneuten Zäsur – und zu einem selbstkritischen Nachdenken über seine Situation. „Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass sich der PhD und der Leistungssport nicht mehr miteinander vereinbaren lassen“, sagt Wolter. Der Abbruch der Promotion und das Schließen seines USA-College-Kapitels wurden zum Wendepunkt.

Seit November trainiert Felix nun am Bundesstützpunkt Zehnkampf in Hannover, eingebunden in eine leistungsstarke Trainingsgruppe unter Leitung der Bundestrainerin Beatrice Mau-Repnak. „Hier finde ich Orientierung, Vergleich und eine Struktur, die mir nach den Verletzungen enorm hilft“, erklärt Felix. Mit Günter Mayer, seinem Heimtrainer in Gräfelfing, stehe er weiterhin in sehr engem Kontakt. „Wir tauschen uns zu allem Möglichen regelmäßig aus.“

Der Neustart, so Felix, sei bewusst gewählt. Es ist eine Investition in seinen Mehrkampf für die nächsten Jahre. Entscheidend dazu beigetragen hätten intensive Gespräche mit Werner Schmidbauer von der Schmidbauer Gruppe, dem Hauptsponsor der Leichtathleten im TSV Gräfelfing. Hieraus ergab sich die Perspektive, das Training unter Profibedingungen am Bundesstützpunkt mit einem beruflichen Einstieg bei der Schmidbauer Unternehmensgruppe zu verbinden. Ab 2026 arbeitet Felix bei dem international aufgestellten Premiumanbieter für Kranvermietung, Spezialtransporte und Montagen als IT- und AI-Engineer, mit klarer Vereinbarung: Der Leistungssport und weiterhin Starts für den TSV Gräfelfing haben Priorität. „Felix steht als Sportler und als Persönlichkeit in einzigartiger Weise für Leistungsbereitschaft, Zielstrebigkeit und Innovationsgeist – Eigenschaften, die im Sport wie im Unternehmen zählen“, sagt Werner Schmidbauer. „Unsere Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen beides möglich ist.“

Für Felix ist dies ein „echter Glücksfall“, der ihm ganz neue Horizonte eröffne. „Diese Kombination gibt mir finanzielle Sicherheit und gleichzeitig die Freiheit, mich voll auf den Mehrkampf zu konzentrieren.“ Er freue sich aber genauso auf die neue Jobperspektive. Inhaltlich beschäftigt er sich bei Schmidbauer mit der Integration von KI-Tools zur Produktivitätssteigerung und Prozessautomatisierung. „Das sind jetzt Projekte, die ich flexibel mit seinem Trainingsalltag verbinden kann und in denen jede Menge Zukunft steckt.“

Dass Felix trotz des neuen Lebensmittelpunkts weiterhin für den TSV Gräfelfing startet, ist für Abteilungsleiter Toni Pscherer ein starkes Signal nach innen und nach außen. „Felix ist sportlich wie menschlich ein Aushängeschild für unsere Abteilung. Sein Weg zeigt, was mit Geduld, Unterstützung, klarer Haltung und viel Bodenständigkeit möglich ist. Für unser junges, aufstrebendes Mehrkampf-Team ist Felix ein Vorbild, wie man es sich nicht besser wünschen kann.“

Auch für Felix selbst ist die Bindung an seinen Heimatverein und seine heimische Mehrkampfgruppe sehr wichtig. „Der TSV ist meine sportliche Heimat. Hier bin ich gewachsen, hier habe ich prägende Momente erlebt.“ Am Bundesstützpunkt in Hannover und mit dem Team Schmidbauer an seiner Seite sehe er sich nun gut aufgestellt für die nächste Etappe. Mit klarem Fokus und einem Ziel, das weiterhin hochgesteckt ist. Auch in 650 Kilometern Entfernung von seinen sportlichen Wurzeln.