Fabian Riegelsberger will hoch hinaus!

Mit Vollgas eine Stadionrunde: alle 35 Meter eine Hürde mit 91,44 cm überfliegen – das ist ganz die Welt von Fabian Riegelsberger. Der 400-Meter-Hürden-Spezialist vom TSV Gräfelfing muss derzeit allerdings weitestgehend ohne sein Lieblings-Highspeed-Geläuf auskommen. Im Winter stehen bei ihm Indoor-Langsprints auf dem Programm. In der Münchner Werner-von-Linde-Halle ist die Runde exakt halb so lang wie draußen. Da setzen Fabian und sein Heimtrainer Peter Rabenseifer entsprechend angepasste Trainingsreize – vor allem im Bereich der Ausdauer: „In der Hallensaison laufe ich überwiegend 800 Meter – meine frühere Spezialdisziplin, die für mich eine solide Grundlage für die 400-Meter-Hürden im Sommer bildet.“ Darüber hinaus mache es ihm großen Spaß, gelegentlich draußen einen Crosslauf zu absolvieren. Ganz ohne Leistungsdruck. „Da geht es um die pure Lust am Laufen. Die Zeiten sind da ohnehin schwer einzuschätzen.“

Dieses Tiefenentspannte ist ein Markenzeichen und sicherlich ein Teil des Erfolgsgeheimnisses des 26-jährigen Langsprinters, der erst mit 24 Jahren zum TSV kam. „Für sportliche Verhältnisse war ich damit schon eher spät dran“, weiß er. „Trotzdem habe ich mich enorm weiterentwickelt, auch weil ich von den 800 Metern in eine für mich fast neue Disziplin gewechselt bin.“ Die Ergebnisse bestätigen den Befund: Am 2. August 2025 lief Fabian in Dresden mit 52.52 sek. persönliche Bestzeit über 400-Meter-Hürden.

Mit einem halben Liter Eis in den richtigen Rhythmus

Um in diesen Regionen weiterzumachen und im Sommer beim 400-Meter-Hürden-Finale bei den Deutschen Meisterschaften an den Start gehen zu können, muss Fabian seine zuletzt aufgetretenen Beckenprobleme in den Griff bekommen. „Jedesmal wenn ich mit der linken Seite in die Hürde reinlief, traten Schmerzen auf, die mich dazu zwangen, meinen Rhythmus anzupassen. Eine prägende Erfahrung war dabei ein Auftakttraining am Tag vor einem Wettkampf, bei dem ich versuchte, den ersten Teil des Rennens zu simulieren, um ein besseres Rhythmusgefühl zu bekommen. Ich hatte es einfach nicht geschafft, über die erste Hürde zu kommen und bin instinktiv immer ausgewichen.“ Aus Enttäuschung habe er am Abend noch einen halben Liter Eis gegessen. „Trotz dieser Frustration bin ich am nächsten Tag mit Zuversicht ins Rennen gegangen und konnte dann im entscheidenden Moment vieles umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Am Ende bin ich sogar Bestzeit gelaufen.“

Hoch hinaus mit Promotion und Leistungssport

Aus dieser Erfahrung nehme er die Zuversicht mit, dass er auch unter schwierigen Bedingungen seine Ziele erreichen könne. „Mein Lebensmotto ist: mehr ist mehr. Ich kann auf meine Stärken vertrauen, selbst wenn nicht alles perfekt läuft“, weiß er heute. Fabian ist dabei nicht nur ein Instinkt-, sondern auch ein Kopfmensch. Parallel zum Leistungssport studierte er bis März diesen Jahres an der Hochschule München Luft- und Raumfahrttechnik. Der Abschluss gelang ihm mit Auszeichnung als Bester seines Jahrgangs. Seitdem promoviert Fabian an der TU München am Lehrstuhl für Raumfahrtmobilität und -Antriebe. „Schon bevor ich nach München gezogen bin, habe ich in Bremen in dem Bereich gearbeitet. Die Faszination dafür habe ich nach wie vor. Es macht mir auch Spaß in der Lehre tätig zu sein und jetzt auf der anderen Seite zu stehen als während des Studiums.“ Seine Forschung führt ihn in die Welt nachhaltiger Antriebssysteme, genauer gesagt wie im Weltall aus Wasser die Treibstoffe Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt werden können.

Um die akademische und die sportliche Welt zu vereinen, setzt Fabian auf feste Strukturen und klare Prioritäten: „In der begrenzten Zeit versuche ich, möglichst viel zu schaffen – fertig wird man ohnehin nie“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er mache beides vor allem, weil es ihm Spaß bereite. „Dafür nehme ich in Kauf, dass für andere Dinge eben weniger Zeit bleibt“. Am Ende des Tages und der Woche sei er aber trotzdem oft ziemlich platt und müde.

Damit er trotz alledem sein Pensum schafft, versuche er Reisen zu Wettkämpfen so weit wie möglich zu reduzieren. „So bleibt am Wochenende noch etwas mehr Zeit übrig. Vor wichtigen Wettkämpfen nehme ich gegebenenfalls einen Tag Urlaub, um besser vorbereitet zu sein.“ Bei allem sportlichen Ehrgeiz haben für Fabian die laufende Promotion und seine damit verbundenen beruflichen Aufgaben ganz klar Vorrang. „An der Uni verbringe ich deutlich mehr Zeit als auf dem Sportplatz, und hier liegt auch langfristig meine Zukunft. Ab und an baue ich Trainingseinheiten untertags ein, um danach wieder einen frischen Kopf für berufliche Aufgaben zu haben.“

Top aufgehoben im Top-Team des Team Schmidbauer

Optimale Unterstützung, betont Fabian, erfahre er im Top-Team des Team Schmidbauer im TSV Gräfelfing „In der Leichtathletik-Abteilung im TSV kommen Menschen zusammen, die sich selbst weiterentwickeln oder andere Strukturen verbessern wollen – und das in einer lockeren, motivierenden Atmosphäre, die einfach Spaß macht. Das Team Schmidbauer unterstützt mich zusätzlich in vielen Bereichen, sodass ich mich weniger um organisatorische Dinge kümmern muss. Ich habe einfachen Zugang zu professioneller Physiotherapie bei Tom, habe in der Vergangenheit Unterstützung von Mental-Coach Jessica bekommen und profitiere von unserem Mentoren-Netzwerk für meine Karriereplanung.“

Mit Trainer Peter Rabenseifer weiß Fabian einen äußerst erfahrenen Coach an seiner Seite, der seine doppelte berufliche und sportliche Herausforderung genau kenne und einzuschätzen wisse: „Ich vertraue Peter beim Training voll und ganz. Oft nimmt er mich direkt mit zum Training, da er in der Nähe meines Lehrstuhls arbeitet, so haben wir auch viel Zeit für zusätzlichen Austausch.“

Für 2026 haben sich Peter und Fabian anspruchsvolle, aber auch realistische Ziele gesetzt. Den Höhepunkt bilden dabei idealerweise die Deutschen Meisterschaften vom 24. bis 26. Juli in Bochum. Auf dem Weg dorthin steht im April ein TSV-Trainingslager in Ravenna auf dem Programm. Da freut sich Fabian schon jetzt besonders drauf: „In diesem Jahr fällt das Trainingslager am 2. April mit meinem Geburtstag zusammen. Das bedeutet traditionell Tiramisu im Hotel – meine absolute Lieblingsspeise. Wenn das mal nicht ein besonderes Vorzeichen ist!“