220 Tonnen, 5 Zentimeter Spielraum: Schmidbauer demontiert Dachgalerie in Zams mit SPMT und Hubgerüst
220 Tonnen Beton, fünf Meter über der Straße und ein enges nächtliches Zeitfenster: Beim Rückbau einer Dachgalerie in Zams (Österreich) für die Firma Fröschl trafen hohe Lasten auf äußerst begrenzte Platzverhältnisse. Für Schmidbauer bestand die Aufgabe darin, die 220 Tonnen schweren Galerieelemente sicher von den Stützen zu Heben und auf Straßenniveau abzusenken damit diese der Entsorgung zugeführt werden können. Das ganze innerhalb von 14 Tagen in Tag und hauptsächlicher Nachtarbeit bei Straßenvollsperrung, Einhaltung der Lärmemissionen und ohne den Einsatz eines Krans.
Hintergrund des Projekts ist der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Tirol. Bevor die weiteren Arbeiten beginnen können, muss die bestehende Dachgalerie zurückgebaut werden. Eine Aufgabe, für die zunächst eine klassische Kranlösung nahelag. Doch die hätte umfangreiche Vorarbeiten und insgesamt 16 aufwendig hergerichtete Kranstandplätze erfordert.
Die Lösung: SPMT statt Kran
Schmidbauer entwickelte deshalb ein alternatives Rückbaukonzept mit einem SPMT (Self-Propelled Modular Transporter).
Unsere zwei 6-Achs-SPMTs, ausgerüstet mit einem Container Support System, fuhren unter die Galerieelemente und übernahm diese kontrolliert. Anschließend transportierte der Selbstfahrer die 220 Tonnen schweren Elemente über das Gefälle zu unserem SBL 600 Hubgerüst.
Dort wurden die 16 Galerieelemente übernommen, kontrolliert bis auf Straßenniveau abgesenkt und anschließend entsorgt. Element für Element entstand so ein durchgängiger Ablauf aus Transport- und Hebetechnik. Ohne klassischen Kran welcher auch ein komplizierten Anschlagmittelaufbau benötigt hätte, da gleichzeitig 8 Anschlagpunkte mit gleicher Lastverteilung benötigt werden.
16 Kranstandplätze und rund 64 Betonschnitte vermieden
Bereits im Vorfeld legte das Team Fundamentstreifen für die Lastverteilung an und berechnete, wie die Galerieelemente auf dem SPMT aufliegen und wie der entstehende Druck sicher aufgenommen werden kann. Transportweg, Lastverteilung, Hubvorgang und Absenken wurden als zusammenhängender Prozess geplant.
Genau darin lag auch der entscheidende Mehrwert für Fröschl: Statt für jedes Galerieelement einen eigenen Kranstandplatz herstellen zu müssen, konnte der komplette Rückbau mit einem durchgängigen SPMT- und Hubgerüst-Konzept umgesetzt werden.
Dadurch konnten 16 einzelnen Kranstandplätzen vollständig entfallen. Für den Kunden bedeutete das einen deutlich schlankeren Projektablauf mit weniger Schnittstellen, geringerem Koordinationsaufwand, reduzierten Kosten und vermied gleichzeitig erhebliche Vorarbeiten.
Die gewählte Lösung reduzierte nicht nur den Aufwand für die eigentlichen Hebevorgänge. Dank der eingebauten Hydraulik ( +/- 350 mm) des SPMT konnten Betonbarrieren mit bis zu 50 cm Höhe überfahren werden. Ein aufwendiges Durchtrennen dieser Barrieren war damit nicht erforderlich.
Rechnerisch entfielen dadurch rund 64 Schnitte – 16 Elemente mit jeweils vier Schnitten – sowie die damit verbundenen zusätzlichen Autobahnsperrungen.
Präzision auf rund 5 Zentimetern
Was in der Planung effizient klingt, verlangte in der Umsetzung höchste Präzision. Zwischen SPMT und Hubgerüst blieben auf jeder Seite lediglich rund 5 Zentimeter Spielraum. Hinzu kamen weitere anspruchsvolle Rahmenbedingungen:
Acht statt der üblichen vier Anhängepunkte sicherten den Hub am Hubgerüst. Dadurch konnten alle vier Träger gleichzeitig abgesichert werden.
Die Fahrzeughydraulik des SPMT glich das Gefälle auf dem Weg von der Dachgalerie zum Standplatz des Hubgerüstes aus.
Über dem Arbeitsbereich verlief eine Hochspannungsleitung, die beim Aufbau des Hubgerüstes berücksichtigt und gemieden werden musste und generell den Einsatz eines Großkranes erschwert hätte.
Gearbeitet wurde nachts zwischen 20:00 und 5:00 Uhr während der Straßensperrung und Tagsüber zwischen 11 :00 und 14:00 Uhr.
Durch das Zusammenspiel aus Planung, Technik und eingespielten Teams konnte Schmidbauer die Sperrzeit der Autobahn gegenüber der ursprünglichen Planung halbieren.
Ein Konzept mit messbarem Mehrwert
Der Rückbau der Dachgalerie in Zams zeigt, welchen Unterschied die passende technische Lösung bereits in der Projektplanung machen kann.
Mit der Kombination aus 12-Achs-SPMT, Container Support System und Hubgerüst SBL 600 wurden die 220 Tonnen schweren Galerieelemente unter anspruchsvollen Platz- und Zeitbedingungen sicher zurückgebaut – ohne klassischen Kraneinsatz.
Entscheidend war dabei das Zusammenspiel der Bereiche Heavy Lifting und Montage: Von der Lastverteilung über Transport und Hub bis zum kontrollierten Absenken wurde der Rückbau als ein durchgängiger Prozess geplant und umgesetzt.
Das Ergebnis für Fröschl: weniger Vorarbeiten und Schnittstellen, geringerer Koordinationsaufwand, reduzierte Kosten – und ein Rückbaukonzept, das gleichzeitig die erforderlichen Eingriffe in den laufenden Verkehr reduzierte.
Die Projektdaten im Überblick
Einsatzort
Zams, Tirol (Österreich)
Einsatzzeitraum
14 Tage (KW 36/37 2026)
Auftrag
Rückbau von 16 Dachgalerieelementen (220 t) mittels SPMT: Ausfahren, Absenken aus ca. 5 m Höhe und Absetzen auf der Straße
Eingesetzte Technik
Hubgerüst SBL 600, 12-Achs-SPMT, Container Support System
Beteiligte Bereiche
Heavy Lift und Montage
Besonderheiten
8 statt 4 Anhängepunkte am Hubgerüst; beengte Platzverhältnisse (ca. 5 cm Spielraum je Seite); Ausgleich von Bodengefälle per SPMT-Hydraulik; Arbeiten unter Hochspannungsleitung; reine Nachtarbeit (20:00–5:00 Uhr)